In Großbritannien klingt das Argument für alkoholfreie und -reduzierte Getränke (NoLo) erst mal einleuchtend: Wer viel trinkt, tauscht ein paar Runden gegen etwas Schwächeres, der Gesamtkonsum sinkt, die Gesundheitsrechnung des Landes wird kleiner. Und das Grundmuster stimmt sogar - stärkere Trinker greifen häufiger zu NoLo als leichte. Das Produkt funktioniert also. Zumindest zum Teil.

Eine neue Studie in Drug and Alcohol Review bricht dieses Bild auf. Entscheidend ist der Grund, warum du trinkst: Er bestimmt, ob NoLo überhaupt in die Gleichung kommt. Und das Muster zerfällt genau entlang der Linien, die man befürchtet, wenn man sich um gesundheitliche Ungleichheit sorgt.

Was sie gemacht haben

Die Forscher werteten Daten von 2.549 Erwachsenen in Großbritannien aus, Teilnehmende der Alcohol Toolkit Study - einer laufenden Erhebung zum Trinkverhalten im Land. Abgefragt wurde, wie oft jemand NoLo-Getränke trinkt (alkoholfrei unter 0,05 % Vol., alkoholarm bis 1,2 % Vol.), wie viel insgesamt getrunken wird, gemessen mit AUDIT-C, einem Standardinstrument für riskanten Konsum, und aus welchen Motiven: Bewältigung von Depressionen, soziale Gründe, Genusssteigerung, Konformität. Dazu soziale Schicht, Bildung, Alter, Geschlecht.

Mit einer Pfadanalyse modellierten sie dann, wie die Trinkmotive zwischen Demografie, riskantem Konsum und NoLo-Konsum vermitteln. Die Frage dahinter: Warum unterscheidet sich die Nutzung von NoLo so stark zwischen Gruppen - sogar bei Leuten, die gleich viel trinken?

Was sie gefunden haben

Drei Faktoren sagten mehr NoLo-Konsum voraus:

  • Riskanter Konsum (stärkere Trinker griffen eher zu NoLo)
  • Bildung (höher Gebildete tranken mehr NoLo)
  • Trinken aus Konformität

Bestimmte Motive schwächten den Zusammenhang zwischen starkem Konsum und NoLo aber wieder ab:

  • Bewältigung. Wer trank, um mit Depressionen umzugehen, wechselte seltener zu NoLo - auch unter den starken Trinkern. Und Trinken zur Bewältigung ist in niedrigeren sozialen Schichten häufiger: Die Pfadanalyse identifizierte es als seriellen Mediator, der niedrigere soziale Schicht mit geringerem NoLo-Konsum verbindet, selbst bei hohem Konsum.
  • Genuss und soziale Gründe. Trinken zum Vergnügen oder um sich der Runde anzupassen dämpfte den Zusammenhang ebenfalls. Damit ließen sich Teile der Unterschiede nach Alter, Geschlecht und Bildung erklären.

Was das bedeutet

NoLo funktioniert als Ersatz für Menschen, die sich bewusst für Alkohol entscheiden. Wer trinkt, um Depressionen zu bewältigen, holt sich aus dem Alkohol etwas, das eine 0,5-%-Alternative nicht liefert. Die Dose zu tauschen ändert nichts an der Funktion dahinter.

Genau da liegt das praktische Problem für alle, die NoLo als Hebel für die öffentliche Gesundheit sehen. Mehr Regalfläche und bessere Vermarktung erreichen die, die aus Spaß oder aus Konformität trinken - und das sind ohnehin eher die höher gebildeten, einkommensstärkeren Gruppen. Wer am meisten davon hätte, weniger zu trinken, findet NoLo am seltensten nützlich.

Das heißt nicht, dass NoLo nichts taugt. Für starke Trinker, die für den Ersatz offen sind, hilft es vermutlich. Nur schließt breitere Verfügbarkeit allein eben nicht die Lücke bei alkoholbedingter Ungleichheit - diese Rechnung übersieht den Mechanismus. Getränkemarken, Supermärkte, Gesundheitskampagnen: Wer NoLo am lautesten pusht, geht stillschweigend davon aus, dass es an Verfügbarkeit oder Wissen fehlt. Bei vielen starken Trinkern fehlt es an etwas anderem. An einem Ersatz für die Funktion.

Die Studie ist querschnittlich, es geht also um Zusammenhänge, nicht um Ursachen. Die Pfadanalyse zeigt aber ziemlich genau, an welcher Stelle der Effekt abreißt. Das ist der brauchbare Teil, wenn man wissen will, wer sein Verhalten tatsächlich ändert.

Soziale Trinker und Genusstrinker sind ein anderer Fall. Da muss der Alkohol nichts abfedern - du hältst einfach das Tempo der Runde mit, und das Tempo steigt, ohne dass du es merkst. Genau dafür habe ich AlcoBalance gebaut: deinen BAC-Wert in Echtzeit sehen, deinen Peak, und wann er wieder abfällt. Das gibt dir vor der nächsten Runde einen Moment Klarheit. Ob du dann langsamer machst oder zu etwas Leichterem greifst, entscheidest du bewusst.

Nüchternheit ist nicht das Ziel. Dein Rhythmus ist es.

Quelle: Drug and Alcohol Review, 10.1111/dar.70159