Blackout - die Erinnerungslücke durch Alkohol, bei der ein Teil des Abends oder gleich die ganze Nacht fehlt - erklärt man sich meist in drei Worten: zu viel getrunken. Amerikanische Forscher haben nachgeschaut, ob da noch eine zweite Variable mitspielt. Spielt sie. Es ist der Schlaf der Nacht davor.

Was sie untersucht haben

203 Leute aus den USA, 57 % Frauen, alle mit einem Muster starken Alkoholkonsums. 28 Tage lang jeden Tag eine EMA-Befragung, also eine kurze Umfrage aufs Handy. Abgefragt wurde: wie lange sie die Nacht davor geschlafen hatten, wann sie ins Bett gingen und wann sie aufwachten, wie gut sich der Schlaf angefühlt hat, wie schläfrig sie vor dem ersten Drink waren - und ob vom Abend eine Lücke im Gedächtnis übrig blieb.

Dazu kam die geschätzte Blutalkoholkonzentration (eBAK), berechnet aus den Selbstangaben zum Konsum. Diesen Wert haben die Forscher statistisch kontrolliert. Die Frage war ja: Wirkt Schlaf zusätzlich zur Dosis und unabhängig von ihr?

Was sie herausgefunden haben

Über 28 Tage kamen 2.380 „Trinktage“ zusammen. An 15,4 % davon gab es einen Blackout - bei täglichem Konsum wäre das etwa einmal pro Woche.

Drei Schlafparameter der Nacht davor erhöhten das Risiko, jeder für sich:

  • Weniger Schlaf - jede zusätzliche Stunde senkte das Blackout-Risiko um rund 16 % (OR=0,84, p<0,001)

  • Abweichung von der üblichen Schlafzeit - wer zu ungewohnter Zeit ins Bett ging oder aufwachte, lag 43 % höher (OR=1,43, p<0,001). Es geht hier nicht um zu wenig Schlaf, sondern um verschobenen

  • Schlechte subjektive Schlafqualität - die miese eigene Note für die Nacht sagte den Blackout vorher, unabhängig von der Menge (OR=0,72, p<0,001)

Und die Schläfrigkeit im Moment des ersten Drinks? Nichts (p=0,13). „Ich bin heute müde“ und „Ich habe letzte Nacht schlecht geschlafen“ sind eben zwei verschiedene Dinge. Es zählt der angesammelte Schlafmangel, nicht die akute Erschöpfung am Tisch.

Ein Detail, das man leicht überliest: Schlaf hat nicht verändert, wie stark die Dosis wirkt. Ob gut oder schlecht geschlafen - der Zusammenhang „mehr getrunken → höheres Blackout-Risiko“ blieb gleich steil. Schlaf ist also ein eigener Hebel, kein Regler für die Alkoholempfindlichkeit.

Was das bedeutet

Es ist eine Kohortenstudie, eine reale Gruppe über die Zeit beobachtet. Kein Labor. Getrunken wurde da, wo diese Leute sowieso trinken, und woran sie sich erinnerten, haben sie selbst berichtet.

Für alle, die über bewussten Konsum nachdenken:

Vor einem Abend mit Alkohol lohnt der Blick nicht nur auf die Zahl der Drinks, sondern auf den Zustand, in dem du in den Abend startest. Zu wenig Schlaf oder ein verschobener Rhythmus die Nacht davor - damit steht dein Risiko schon vor dem ersten Glas höher.

Einschränkungen

Die Stichprobe: ausschließlich junge US-Amerikaner mit starkem Alkoholkonsum. Wie das bei moderaten Trinkern läuft oder bei Leuten über 30, weiß bisher niemand.

Der Blackout selbst wurde per Selbstauskunft gemessen. Da steckt ein offensichtliches Paradox drin: Wer sich an wirklich nichts erinnert - woher soll der davon wissen? Ein Teil der Fälle ist vermutlich nie in den Daten gelandet. Der reale Anteil liegt also eher über 15,4 %.

Quelle: Sleep, doi:10.1093/sleep/zsaf400